Definition
Die wissenschaftliche Untersuchung der Bewegung, Verteilung, Speicherung und Qualität von Wasser in bewaldeten Ökosystemen, einschließlich Kroneninterzeption, Bodenfeuchtedynamik, Oberflächen- und Grundwasserströmung sowie Abflussbildung in Fließgewässern.
Prinzip
Prinzip
Forsthydrologie beruht auf dem Prinzip, dass Vegetation, Böden, Topographie und Klima die Wasserzufuhr steuern und deren Aufteilung (Interzeption, Evapotranspiration), Infiltration, Speicherung sowie zeitliche und mengenmäßige Aspekte des Abflusses bestimmen.
Demonstration
Demonstration
Der Vergleich von Abflussmessungen in zwei ähnlichen Einzugsgebieten vor und nach Kahlschlag zeigt erhöhte Spitzenabflüsse und geringere Evapotranspiration, was den Einfluss von Kronen und Wurzelraum auf den Abfluss verdeutlicht.
Fehlanwendung
Fehlanwendung
Die Übertragung städtischer Regenwasserplanung auf Wälder unter Vernachlässigung von Interzeption, Transpiration und Makroporenströmung führt zu falschen Vorhersagen von Wassererträgen und Hochwasserrisiken nach Waldveränderungen.
Konsequenz
Konsequenz
Richtig angewandt liefert Forsthydrologie Grundlagen für Managementmaßnahmen zur Eindämmung von Hochwasser, zur Sicherung von Grund- und Niedrigwasserabfluss und zum Schutz der Wasserqualität durch Ufer- und Bodenschutz.
Umkehrung
Umkehrung
Das Gegenteil ist die Hydrologie nicht-bewaldeter Räume (z. B. urban oder agrar), in denen versiegelte Flächen, technische Entwässerungssysteme und Bewässerung dominieren und Vegetation als Regulator weniger wirksam ist.
Abgrenzung
Abgrenzung
Der Fokus liegt auf bewaldeten Landschaften und den natürlichen sowie bewirtschafteten Prozessen, die die Hydrologie beeinflussen; ausgenommen sind technische städtische Drainagesysteme, Bewässerungsnetze und rein landwirtschaftlich geprägte Einzugsgebiete, sofern Wälder nicht maßgeblich beteiligt sind.
Semantische Spannung
Semantische Spannung
Es besteht eine Spannung zwischen hydrologischer Bilanz- und Prozessbetrachtung und ökologischen/forstwirtschaftlichen Perspektiven, die Wasserergebnisse als eines von mehreren Ökosystemleistungen mit Zielkonflikten sehen.
Synthese
Synthese
Forsthydrologie verbindet prozessbasiertes Wissen (Interzeption, Infiltration, Evapotranspiration, Grundwasserströmung) mit Messung und Modellierung, um vorherzusagen, wie Waldzustand und -management Wasserquantität und -qualität zeitlich beeinflussen.